Samstag, 18. Januar 2014

Wenn Männer "Detox" mitmachen oder wie mein Blog zum Anti-Food-Hedonisten Blog konvertierte.....

Guter Tip an alle Männer unter meinen Lesern: Wenn Eure Frau eine Frauenzeitschrift abonnieren will, verhindert das! Ganz im Ernst....

Es ist Jahresanfang, was bedeutet, dass gute Vorsätze für das neue Jahr schwer hip sind. Jede dieser bunten, werbeverseuchten mehr oder weniger Hochglanzpapier-Sammlungen mit regelmässiger Erscheinungsweise - wenn man Glück hat monatlich, sonst wöchentlich - infiziert seine weibliche Leserschaft mit einer Art von Diät, besser Leben-Katalog oder Detox!

Ja. Und jetzt hat es auch mich erwischt. Meine Frau hat eine solche Mappe an ungefragter Lebenshilfe und viel zu teuren Klamotten, die man sich eh' nicht leisten kann sowie Paparazzi-Fotosammlung abonniert. Pünktlich zum neuen Jahr mit Engiftungs-Diät: 2 Wochen Detox-Plan. Und weil so schön Jahresanfang ist, muss man das probieren.

Als ich von dem anstehenden Programm im Büro, schallte es mir sofort aus Teilen der weiblichen Mitarbeiterschaft entgegen: "Ja! Kenne ich, Habe ich gehört, war entweder in Zeitschrift XXX oder Zeitschrift YYY. Macht meine Freundin auch! Ganz toll!" (oder man kennt wen, der das gemacht hat, und der das gaaaaaaaaanz toll und suuuuuuuuuuuuper fand!)

Ähm. Ja. Ich. Detox. Wenn meine Frau das macht, kann es mir ja nicht schaden. Die Spuren meiner Solidar-Schwangerschaft sind auch nach 6 Jahren noch nicht abgeklungen. Die ewige "Friss-was-dir-Spass-macht-soviel-wie-reingeht-Diät" ist genauer betrachtet auch nicht unbedingt ernährungstechnisch positiv beleuchtbar. Und als Lebenpartner macht man dann mal gerne mit.

Beunruhigend sind da dann doch noch die Randhinweise....

"Sie entgiften dann nachts über die Fuss-Sohlen. Da helfen und unterstützen Pflaster von den Toxic Twins, die man abends vor dem Zubettgehen aufklebt" Echt! Die heissen tatsächlich so! Aber an meine Füsse kommt das nicht....  (http://www.thetoxictwins.de/)


Zum Einleuten der Entgiftungsphase hat mir die Firmenkantine ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk gemacht: Am Freitag gab es Currywurst in würziger Sosse und Pommes - mit viel, viel Mayo! Das Anti-Detox schlechthin. Irgendein Küchengott muss ein einsehen gehabt haben. Frei nach dem Motto: Wenn du sowas machst, dann muss es sich auch lohnen. Diesen Gedanken konnte ich natürlich nicht enttäuschen und habe mich für die nächsten 2 Wochen von den üblichen Ernährungspraktiken verabschiedet nachdem ich eine ordentliche Portion des Arterienverkalkungsmenüs mit extra Chillies und extra Mayo zu mir genommen hatte.

Und nun?

Balkon und Kühlschrank quillen über vor Gemüse und Obst. Mangos... Apfelsinen.... Rote Beete... und und und. Jetzt gibt es Chufas-Nüssli im Haus. Heute morgen auf dem Markt hat die Dame von unserem Grünzeug Stammdealer fast einen Lachkrampf gekriegt.

4,5 Kg Karotten bitte. - Ach? Machen Sie Karottenparty? Da muss ich aber 2x wiegen, das passt nicht in einem Schwung auf die Waage. Sonst noch was?

Ja..... Kartoffeln, Kohlrabi, Zucchini, Lauch, Salat, etc etc etc....... Bis mir schier die Taschen ausgegangen sind.

Und was gab es dann heute zum Start?


Einen Smoothie (Wer hat eigentlich diesen dämlichen Begriff für pürierte Früchte erfunden?) aus dem Saft von 2 Apfelsinen, einer Mango und 500g TK-Himbeeren. Schön das ich vor kurzem endlich einen Blender erworben hatte. Nach ausgiebigem "Durchdrehen" sah das ganze so aus:


Das ist dann die Tagesration für heute. Darf man nach Lust und Laune mit Wasser verdünnen. Wobei ich zugeben muss: es tatsächlich schmeckt gut!

(Kleiner Gruss an Bernd E.-H. - nicht ganz das "ehrliche murmeltier"; du weisst was ich meine!)

Ergänzt wird das ganze durch ein Süppchen aus Tomaten, Karotten, Paprika und Gemüsebrühe. Ebenfalls gut durchpüriert.


Die Suppe an sich schmeckt jetzt nicht ganz soooooo toll. Aber mit Salz, Pfeffer und ordentlich Tabasco ist die Terrine ganz appetitlich geworden. Wobei ich nicht sicher bin, was die Detox-Fähigkeit und Eignung von Tabasco angeht. Salz und Pfeffer sind offiziell erlaubt!

Feste Nahrungsbestandteile sind am 1. und 2. Tag nicht vorgesehen. Immerhin ist die Menge nicht sooooo knapp gehalten und bis jetzt hält sich das Hungergefühl in Grenzen. Die Sucht nach kaubaren Lebensmitteln ist das größere Übel aktuell.

Entzugserscheinung nach Kaffee, Süssigkeiten oder ähnlichem haben sich auch noch nicht eingestellt. Mal schauen, wann das kommt. Ich halte Euch auf dem laufenden.... Wünscht mir Glück und Erfolg, die nächsten 2 Wochen durchzuhalten. May the Detox-Force be with me!

Bis bald liebe Leser - bleibt mir bitte gewogen!

Freitag, 17. Januar 2014

E-Kom(sch)merz.... oder warum mir e-Auktionen beim Marktführer keinen Spass machen

Wenn ich so zurück denke, dann treibe ich mich schon ziemlich lange in der virtuellen Welt der Netze herum. Die ersten Gehversuche liefen noch mit einem 2400 Baud Modem der damaligen noch "Deutsche Post" heissenden Vorgängerstufe des rosa Riesen.

Ein paar Leser mögen sich noch an Fido.net und Crosspoint erinnern. Irgendwann kam ISDN und Internet. Und eine nette Autktionsplatform aus den USA mit dem Namen ebay.

Wild, abenteuerlich und lustig war es damals. Alles was man im Laden nicht kaufen konnte oder irgendwo aus der Welt kam, konnte man irgendwie ersteigern. Nonsens, Krempel und Kleinode. Selbst grosse Auktionshäuser wie Sothebys hatten eine Präsenz und versuchten sich dort.

Genauso wie viele kleine Ganoven - denen man auch heute noch nicht immer Herr geworden ist - und vermutlich jeder, der in den Anfängen zu den Käufern gehörte ist irgendwann mal reingefallen und hat Geld verloren. Spätestens dann, wenn mangels Kreditkarten noch Barschecks in US$ über den grossen Teich geschickt worden sind. Oh mann.... schei**e, hat man sich doch manchmal blöde und naiv angestellt.

Irgendwann rüstete der "Autkionator" auf. Neben den Auktionsgebühren könnte man ja auch gleich noch einen Bezahldienst etablieren und nochmal abkassieren. Gebühren im Quadrat. Und ganz viele nette Regeln einführen, einen Marketplace gründen und statt Auktionen als Handelsplattform arbeiten.

In diesem ganzen Veränderungsprozess scheinen sich doch ein paar Dinge, aus meiner Sicht sehr ungünstig, verschoben zu haben. Den Satz "Der Kunde ist König" haben wir von unseren Grosseltern übernommen. Hier wurde um den Satz "Der Verkäufer ist Dreck und soll gefälligst die Fresse halten" ergänzt.

Was mir im letzten Jahr und in letzter Zeit bei Auktionen passiert ist, hat mir meinen ursprünglichen Spass an der Auktioniererei mal ordentlich verdorben.

Details? Wie immer gerne!

Da wird man mit Strafanzeigen bei 1€ - Artikeln vom Käufer bedroht und ziemlich unflätig und wüst beschimpft. Der Kunde ist König, der Verkäufer ist Dreck und wenn du Verkäufer nicht so willst wie ich, dann wird die Auktionsbewertung schonmal sehr persönlich und beleidigend.

Ist ja kein Problem - es gibt ja den Customer Service. Eine freundliche email geschrieben, die Bewertung zitiert und um Entfernung der gleichen wegen Verletzung der ebay Spielregeln gebeten.

Antwort ebay: Eine Kopie des Inhalts der Hilfeseiten in email Format. Ein Hinweis, man möge doch bitte den Käufer kontaktieren etc. Lasse sich doch alles friedlich blablabla lösen. (Hmmm. Schwierig, wenn der Käufer mit Strafanzeige wg. Belästigung droht, falls man ihn in jedweder Form kontaktiert.)
Fantasienamen Signatur des angeblichen Mitarbeiters

Neue email an ebay Service mit der Frage, ob man den auch Mitarbeiter habe, die des Lesens mächtig seien? Oder ob man die vorangegangene email denn überhaupt gelesen - und falls ja, auch verstanden habe? Wiederholung des Zitates.

30 min. später eine Antwort. Die Bewertung des Käufers sei nicht mit den Regeln von ebay im Einklang und man habe den Text entfernt.

Worauf der Käufer das letzte Wort erhält und in einem weiteren Kommentar eine ähnliche Beschimpfung ablässt, weil man seinen Kommentar hat entfernen lassen. Dummerweise hat man gegen den letzten Kommentar dann als Verkäufer keine Möglichkeiten mehr irgendwas zu tun.

Sooooooooo und das ist ein Ereignis, dass sich mittlerweile bei mehreren "Customer Services" im Internet gezeigt hat. Es antworten Roboter ohne Zusammenhang auf die email bzw. deren Inhalt und hängen einen random choice Namen an. Das ist wohl der Grund, warum man bei den emails immer angeben muss, um was es sich dreht. Sonst würde die Antwort noch absurder ausfallen.

Und wem das Gezicke vom Customer Service nicht reicht, darf sich mit den Käufern während der Auktionen vergnügen. Eine herrliche unglückliche Funktion ist "Frage zum Artikel stellen".
Ein als "Neu" kategorisierter Artikel, mit dem Artikelbeschreibungstext "ungetragen/unbenutzt" hat 5 Nachfragen hevorgerufen, ob der Artikel in Ordnung, neuwertig und ohne Kratzer sei.
Legastheniker United beim Betriebsausflug, oder was? Wie kommt man auf die Idee bei solchen Attributen so etwas zu fragen?

Zitat:  "optischer zustand kratzer auf display? technisch?" Ach so, das war die gesamte Mail. Kein Ausschnitt oder Ausriss. Mehr Worte waren entweder nicht im Wortschatz des Verfasser oder nicht drin. Orthografisch fragwürdig.

Sehr gelungen war auch die Auktion mit dem Höchstgebot eines osteuropäischen Bieters. Dummerweise hatte ich sowohl im Artikeltext als auch in den Versandbedingungen angegeben, dass nur innerhalb Deutschlands versendet werde.
Freundlich habe ich den Bieter gefragt, ob er mir denn bitte eine deutsche Adresse nennen mag, an die ich den Artikel nach Bezahlung senden kann. Nö. Hat er nicht. Ich soll doch bitte nach xxx senden.
Die schlaue Paketversender Internetseite mit Portorechner befragt......
Lieber Bieter, dass kostet viel viel viel Euros. Wenn du das bezahlen willst und vorab zahlst, dann schicke ich dir das Objekt deiner Begierde wohin du willst. Aber nur als Paket, versichert und mit Tracking. Ausnahmsweise.
Feedback -> Ja, ich will. Zahlen. Nicht heiraten. Schicks mir!

Gesagt. Getan. Geld kam. Gepacktes Paket ging weg. Getracked. Gut angekommen.

Mein Postfach zeigt mir email an. Aus Osteuropa. Vom Bieter. Artikel ist toll. Heile angekommen. Aber warum war das Porto so teuer? Das hätte ich doch billiger schicken können, oder?

Mir fehlten die Worte.




Sonntag, 8. Dezember 2013

Als das SEPA Monster kam, kehrte der V-Scheck zurück....

Na? Quillt bei bei allen europäischen Blog Lesern auch der Briefkasten über?

Irgendwie alles und jeder, der irgendwie zahlungsverkehr-banktechnisch mit mir zu tun hat, schreibt mir grade mindestens einen Brief.

"Sehr geehrter.... Kunde... Herr.... Neutrum....blablablbaba... rahbarabrabrarbrab......
werden wir ab Februar 2014 mittel SEPA Lastschrift von Ihrem Konto einziehen....
auf SEPA umstellen....Gläubiger ID YXZ 0815....
usw. und so fort...."

Yep. Von Gott und der Welt, Hinz und Kunz, Ernie und Bert.... und noch tausend Stück. Kein Tag im Moment an dem nicht mindestens ein so ein Brief im Postkasten auf mich wartet.
Und damit die Briefe nicht so einsam sind - kriegt meine Frau auch gleich noch welche dazu.

Verschwörungstheoretiker könnten auf die Idee kommen, dass die europäischen Briefpostunternehmen die Umstellung auf SEPA eingefädelt haben. Das erhöhte Portoaufkommen muss die Jungs ja irre reich machen.

Das passiert ja nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen anderen EU Ländern gleichzeitig.

Vermutlich ist das Briefporto für die Aktion noch der kleinste Kostenfaktor. Kann sich noch jemand dran erinnern, was zum Jahreswechsel 2000 auf die IT Unternehmen und IT Abteilungen zukam?
Dieser Wahnsinn muss sich doch aktuell bei allen Softwareprodukten wiederholen, die irgendwie, irgendwo, irgendwann was mit Kontonummern und Bankleitzahlen zu tun haben.
Was das mal kostet? Anpassen, Testen, Ausrollen... Oder gar Software neu anschaffen.

Mich würde wirklich brennend interessieren, wie viel Geld der Spass die Unternehmen in Deutschland, Europa oder gar weltweit kostet... *grübel*

Nächste Verschwörungstheorie? Das kommt von der Troika oder not-leidenden Staaten, um auf diesem Wege Teile der Wirtschaft anzukurbeln. Wobei.... Soll nicht mit SEPA alles schneller werden? Also das Geld innerhalb Europas binnen Tagesfrist in ein beliebiges Land überwiesen werden?
Dann wären die Staaten unter Umständen ja ein paar Tage eher pleite? Oder? Hmmm.....

Bisher benutze ich für internationalen Geldverkehr meine Kreditkarten - dafür zahle ich ja auch Gebühren. Das geht gut und ist SEPA frei. Falls das irgendwie geht, werde ich das auch in Zukunft tun.

Statt einer Bankleitzahl merken wir uns jetzt alle eine kryptische BIC.... Damit kann man eine Bank eindeutig identifizieren. Das ginge zwar auch mit einer BLZ, wäre aber zu einfach für die Brüsseler Eurokraten.

Merken wir uns also zukünftig dazu dann die passende IBAN mit Ihren 22 Stellen.... Ländercode... Prüfziffer...alte BLZ (wozu dann die BIC???) ... und 10-stellige Kontonummer mit Nullen aufgefüllt.... führende Nullen wohlgemerkt. (ein fettes Grinsen huscht über das Gesicht des Autors... führende Nullen... Brüssel... den Rest müsst Ihr schon selber machen!)

Ok. Die Prüfziffer bringt jetzt eine Mördersicherheit rein, dass ich mich bei der Nummer nicht vertippen kann. Bei 22 Stellen braucht man das auch. Dumm ist nur, dass das menschliche Gehirn für solche Zahlenmonster nicht gemacht ist.

Die PINs für Kreditkarten, Scheckkarten und eine Menge anderer PIN-Nummern sind nicht umsonst 4-stellig. Das ist nämlich so die längste Zahlenkette, die sich der moderne Mensch seit Abschaffung der Drehscheibenwahltelefone noch merken kann. Früher ging das besser - da gab es im Telefon keine Kurzwahltasten oder Nummernspeicher. Da merkte man sich die Nummern von Verwandschaft und Freunden noch im Kopf. Zumindest wenn man in der gleichen Stadt wohnte. Kamen Vorwahlen dazu wurde es schon kritisch und Griff zum Notizbüchlein war Pflicht. Also so eine Art Telefon-Nummern Sodoku!

Wenn man jetzt die PIN-Nummer um eine Stelle verlängern würde, dann dürfte sich - sagt die Wissenschaft - die Menge der Menschen, die sich die Zahl im Kopf merken kann, um die Hälfte verringern. So... das war jetzt bei 4 auf 5 Stellen... Rechne doch mal bitte wer aus, was passiert, wenn man jetzt 22 Stellen plus BIC im Kopf haben soll. Gut... Alte BLZ kommt vor... alte Kontonummer auch... Trotzdem ist es komisch.... Und was machen all die Rentner, die mit dickem Edding Ihre PIN auf die EC Karte gekritzelt hatten, damit sie nicht mit leeren Händen vom Geldautomat nach Hause zurückkehren mussten... So eine 22er Nummer kriegst du mit Edding 500 auf keine EC Karte oder so drauf!!! Und schmaleren Edding können die Leute unter Umständen nicht mehr Lesen, kleine Schriftgrössen halt.

Wer nicht mit Uri Geller oder so einem Mysterien-Magier von dubiosen Casting-Shows im Privatfernsehen verwandt ist und da ein paar seltsamste Gene abbekommen hat, könnte da zukünftig ganz alt aussehen!

Und damit der Gag der Woche perfekt wird:
Während das SEPA Monster also allmählich mit grossen Schritten seinen 22-stelligen Riesenschatten auf uns wirft, ein Flashback der seltsamen Art: Ich soll mit einem Verrechnungsscheck bezahlen!

Für die jüngeren Leser, die vielleicht Schecks gar nicht mehr kennen... Das waren so bunte Zettel von der Bank mit aufgedruckter Kontonummer und Bankleitzahl (da waren die zwei wieder). Diese bunten Zettel musste man mit reichlich Vorlaufzeit bei der Bank bestellen (unter Umständen auch noch gegen Gebühren, die so hoch waren, dass heute noch gültige Roaming-Gebühren dagegen Peanuts sind) und konnte Sie dann wie Bargeld verwenden. Man schrieb einen Betrag in deutschen Mark drauf (ja, solange ist das schon her)  und gab das statt Bargeld an der Kasse eines Geschäftes ab. Warum? Es gab da noch nicht so wirklich viele Geldautomaten. Und auch die paar existierenden Geldscheinwerfer kosteten horrende Gebühren. Schecks waren ein gängiges Zahlungsmittel unserer Eltern und Grosseltern!

Die Variante für Sicherheitsfreaks hiess "Verrechnungscheck" - der liess sich tatsächlich nur vom designierten Empfänger einlösen und auf ein Konto einzahlen. Also nicht ganz so bargeldmässig, dafür konnte der auch mal verloren gehen, ohne dass sehr grosses Unheil entstand. Man konnte immer nachvollziehen, wo die Kohle hingeflossen war.

Ich selber weiss gar nicht mehr, wann ich den letzten Scheck in freier Wildbahn gesehen habe. geschweige denn, wann ich zuletzt einen benutzt hatte. Da hat die D-Mark noch gelebt... Jede Wette!

Und letzte Woche plötzlich möchte ich ein paar Eintrittskarten für eine Veranstaltung bestellen und da steht: Nur gegen Voreinsendung eines Verrechnungsschecks. Uff! Und nun? Kann man das überhaupt bei der Bank noch bekommen? Ich weiss es nicht. Aber auf diese Eintrittskarten verzichte jetzt gerne. Die sollen gefälligst SEPA nehmen, wenn Sie mein Geld wollen. Dann kann ichmict BIC und IBAN nämlich auch mal üben.

In diesem Sinne... freuen wir uns auf SEPA in 2014! Bis dahin, bleibt mir gewogen liebe Leser!


Sonntag, 24. November 2013

Ab morgen fahre ich wieder Auto.....

So.... Ab morgen fahre ich wieder mit dem Auto zur Arbeit und kehre dem Stuttgarter ÖPNV vorläufig wieder den Rücken und zeige ihm mit Vergnügen die kalte Schulter.

Ich bin einfach hemmungslos enttäuscht und kann mich nicht dazu überwinden, den geplanten 2. Monat nochmals mit dem VVS zur Arbeit und nach Hause zu fahren.

Warum?


  • An den letzten 7 Werktagen meines ÖPNV Monates gab es keinen Tag ohne Verspätungen.
  • Die Züge auf der S4 nach Marbach sind die ältesten und abgenutztesten Züge, die der VVS aufbieten kann (siehe dazu auch die aktuellen Artikel in der Ludwigsburger Kreiszeitung)
  • Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Satz "Der vor uns liegende Gleisabschnitt ist noch durch ein vor uns .... BLOCKIERT! Wir werden unsere Fahrt in Kürze fortsetzen"
  • Es gab einen Kabelbrand in der Schwabstrasse
  • Es gab Zugausfälle
  • Es gibt keine dem Wetter angepassten Heizungen oder Klimaanlagen auf der Strecke der S4. Da wird auch schonmal bei über 20 Grad Aussentemperatur im Abteil geheizt
  • Die Bahnsteige im Stadtgebiet sind zur Rush-Hour vollkommen überfüllt
  • Einmal morgens um 06:45 Uhr aussteigen und wieder einsteigen für den gesamten S-Bahn Zug
  • Ich bin mit meinem Auto schneller... Wenn ich um 6:15 Uhr morgens aus meiner Haustür gehe, bin ich um 7:05 Uhr in Leinfelden in der Tiefgarage. Wenn ich das gleiche mit ÖPNV mache, bin ich um 07:45 Uhr an meinem Schreibtisch. Und das ist nur ein Weg. Selbst wenn ich Nachmittags im Berufsverkehr länger brauche als morgens -> ich komme auf ca 45-60 min mehr Fahrzeit im Schnitt. Das ist nicht attraktiv für mich, da ich obendrauf abends öfter mal in den 30 Minuten Takt rutsche..... und das alles gilt auch nur, wenn es keine Verspätungen gibt. (siehe oben) Da kann die Fahrzeit ÖPNV schnell mal länger werden.
  • Da ich in Leinfelden und Esslingen Arbeitsstätten haben, müsste ich für 6 Zonen bezahlen. Keine Einzelstrecke zwischen Marbach, Esslingen und Leinfelden erstreckt sich über mehr als 5 Zonen. Was soll das bitte?

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Hier noch eine kleiner Auszug aus der Statistik Abteilung des VSS:

2005 2012 Veränderung in %
Fahrgäste in Mio. 317,54 337,99 6,44%
Linien 396 400 1,01%
Linienlänge 4764 6003 26,01%
Haltestellen 3690 3833 3,88%
Fahrzeuge 1643 1606 -2,25%
Zug KM in 1000 29140 33263 14,15%
Einnahmen in Mio € 298,9 393,3 31,58%
Kosten in Mio € 539,9 660,1 22,26%
Kostendeckung in % 55,4 59,6 7,58%
Quelle:
VVS.DE
Daten Fakten Zahlen 2005 & 2012
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So.... das muss man sich mal langsam auf der Zunge zergehen lassen.....
Einnahmen steigen um fast 32%... ja Ausgaben um gut 22%.... und das bei nur 7% steigenden Kundenzahlen....

Was macht der VVS mit dem Geld?
Weniger Fahrzeuge... Mehr Streckenkilometer.... Gleiche Anzahl Haltestellen...
Und noch wichtiger: Die S-Bahn verkehrt auf allen Linien immer noch im 30 min Takt. Zum Berufsverkehr auch im 15min Takt. Das tat sie aber schon 1999. 

Also sorgen 7% mehr Fahrgäste für über 30% mehr Einahmen. Aber an Komfort und Qualität ändert sich für S-Bahn Fahrer nichts.

Was tut die lokale Politik?
Laut schreien: Der ÖPNV muss attraktiver werden!
Ergebnis: Jährliche Fahrpreiserhöhungen. Und damit der ÖPNV trotz höherer Preise bei gleicher Leistung attraktiv bleibt? Erhöhen wir mal die Preise für Parken in Stuttgart City. Oh Mann! Das ist ein wirkliches Armutszeugnis für die politische Kaste! Wenn das alles ist, was den Damen und Herren dazu einfällt. 

In einem normalen Unternehmen nennt man so ein Verhalten gelegentlich mal Arbeitsverweigerung und führt zu Abmahnung oder Kündigung.

Was ist mit höherer Taktung? Mehr Komfort für Fahrgäste? Nichts.

Ein solches Angebot ist für Menschen wie mich nicht attraktiv. Der ÖPNV muss schneller, komfortabler und angenehmer sein als die fahrt im eigenen Fahrzeug. All das ist es in Stuttgart nicht.

Ja - die Fahrtkosten, darf ich nicht vergessen. Natürlich bietet der VVS auf seiner Webseite einen Kostenrechner an, wie attraktiv und günstig der ÖPNV ist. Wow! Da spare ich angeblich über 6000€ im Jahr.... Holla.... Was ist deren Referenzfahrzeug zur Kostenrechnung? Eine S-Klasse mit Chauffeur?

Dann mache ich doch mal die Gegenrechnung und biete mal Abzüge an für
  • unterbrochenen bis teilweise nicht existierenden Mobilfunk- und Radioempfang
  • fehlende individuell einstellbare Klimaautomatik
  • fehlende Sitzheizung im Winter
  • fehlendes Einsteigen direkt an der Haustür -> Herbst- & Winter-Wetter...???
  • längere Gesamtwegezeiten
  • fehlende kostenlose Mitfahrgelegenheiten für bis zu 3 Familienmitglieder zu jeder Tages- und Nachtzeit
Soll ich weitermachen?

Lieber VVS,
lieber Stuttgarter OB Hr. Kuhn,

eine Bitte: Schauen Sie sich doch mal in Deutschland um. ÖPNV kann man überall in Deutschland besser und vor allem -> billiger!!! Tun Sie was für Ihre Fahrgäste und verbessern Sie Komfort, Taktung und Schnelligkeit. Dann werden Sie auch noch mehr Zulauf bekommen (sofern Sie das überhaupt wollen) Und an dieser Stelle wiederhole ich mich: Wenn Sie wissen wollen, wie man es wirklich geil hinkriegen kann: Tokyo! Auch da ist es nicht perfekt, aber deutlich besser als das was Sie mir bisher bieten!

In diesem Sinne endet meine Litanei und ich werde mich jetzt eine ganze Weile zu diesem Thema nicht mehr äussern. Bleibt mir trotzdem gewogen, liebe Leser! 

PS:
Ich würde mich übrigens sehr über Feedback zum ÖPNV aus anderen Städten Deutschlands und der Welt freuen.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Tag 6 - Lange Wochenenden kommen überraschend....

Irgendwie ist es doch herrlich das Leben in vollen Zügen geniessen zu können. Und damit seine Kunden das auch können, bricht beim VVS an Tagen wie heute - vor einem langen Wochenende - die blanke Anarchie aus.

Züge so voll, dass Kontrolleure kapitulieren. Sie kommen schlicht nicht in die Wagen.

Dann das übliche Linien-Glücksspiel an den zentralen Stationen zwischen Schwabstrasse und Hauptbahnhof. Die Dauer-Pendler schliessen Wetten ab, welche Bahn denn wohl als nächste Einfahrt hat.
Mit Fahrplan hat das Geschehen  nichts mehr zu tun. In einem unwirschen Durcheinander purzeln die Linien und Bahnen mit diversen Verspätungen durcheinander, während die Bahnsteige an der ein oder anderen Stelle an eine gute gefüllte Fankurve in einem beliebigen deutschen Bundesliga Stadion nördlich von Mannheim erinnern.

Und das man an Tagen vor langen Wochenenden ein erhöhtes Personen aufkommen haben könnte, scheint auch jedes Mal wieder am Tag vorher die Verantwortlichen zu überraschen. Diese Feiertage am Donnerstag oder Freitag tauchen aber auch immer so urplötzlich auf wie Nessie, wenn man ohne Kamera am Loch Ness steht. Letzten Monat standen die doch noch nicht im Kalender..... Der böse Feiertagsgeist muss die immer über Nacht in die Kalender der Deutschen Bahn oder sonstiger ÖPNV Betreiber zaubern.

Nun ja... Üben wir uns in Geduld und Hoffnung irgendwann mal daheim anzukommen. Trotz der Zugausfälle, die während des Blogeintragschreibens verkündet wurden, trotz der Gleisumlegungen und ständig steigenden Verspätungen....

Ach ja... Kleiner Hinweis für die Statistiker der Bahn: man könnte mal nicht nur die Minuten der Verspätung des Zuges zusammenrechnen , sondern das mal der Anzahl Fahrgäste nehmen und kann dann mal zeigen wie die Verspätungsquote aussieht.... Gell? Da könnten die schönen hohen Prozentzahlen der Pünktlichkeitsquote schnell weg sein!

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Das Experiment mit dem ÖPNV in Benz-Town

Tja, eigentlich ist Stuttgart eine klassische deutsche Autostadt mit 2 Premium Autobauern: Porsche und Daimler. Ich persönlich fahre keines der beiden Fabrikate und habe mich darauf eingelassen, den lokalen ÖPNV für mindestens 2 Monate zu testen.

Immerhin erleichtert die App des Verkehrsverbundes das Fahrzeiten- und Fahrplanmanagement.

Wetter? Ist heute auch gut. Der Spaziergang  um 06:30 Uhr zum S-Bahnhof eher angenehm.

Der Start ist dann mal wieder etwas ernüchternd. Um mir den Einstieg in die ÖPNV Nutzung leichter zu gestalten, habe ich mir ein Ticket für die 1. Klasse gegönnt. Und? Schon sitzt man  Halbdunkel, da die Beleuchtung nur zu 50% tut. Nett, wenn man dafür auch noch 25% Preisaufschlag zahlt. Die Heizung allerdings geht und es ist gemütlich warm. Und angenehm leer.

Weniger schön ist die Tatsache, dass es immer noch die gleichen Züge sind wie 1999, als ich schonmal ein mehrmonatiges ÖPNV Abenteuer wagte....

Mal schauen was noch kommt heute.....

Fazit Tag 1 - Der VVS kann es immer noch nicht besser als vor 14 Jahren. Ausser das die Preise standardmäßig jährlich um 2-3% erhöht werden, habe ich keine spürbare Verbesserung feststellen können.

Fahrzeug-Kapazität in ausreichender Menge bereitstellen zu können scheint nicht möglich. Zwischen 17 und 19 Uhr sind Bus und Bahn ungefähr so voll wie nach einem ausverkauften Länderspiel an der Stadion Haltestelle in der ersten Bahn. (P.S.  das sollte eigentlich nicht wundern, da der VVS auch schon mal bei ausverkauften VfB Heimspielen die S-Bahn nach Standardtakt fahren lässt; ohne Sonderzüge)

Die Züge sind seit 14 Jahren die gleichen. Technischer Komfort-Fortschritt für Passagiere null. Und entweder die Technik oder die Mitarbeiter schaffen es nicht, die S-Bahn erträglich zu temperieren. Andernfalls ist die Sauna Temperatur nicht zu erklären. Oder warum läuft bei 22° Aussentemperatur die Heizung?

Mal schauen, was die nächsten Überraschungen sein werden....

Tag 2 - ÖPNV Test

Und schon geht es los... Tag 2...

Heute fährt die S4 wg. eines Kabelbrandes in der Haltestelle Schwabstrasse nur bis Kornwestheim. Dann bitte umsteigen auf S5, die dann im Hauptbahnhof oben hält.

Warum allerdings die S4 nicht zum Hauptbahnhof fahren kann?

..... Fortsetzung folgt.....

Spontaner Nachtrag.... Early Morning Comedy....

Haltestelle Kornwestheim... Alle Fahrgäste steigen aus. Zug leer. Ansage auf dem Bahnsteig: " Der Zug fährt doch bis zur Schwabstrasse. Bitte alle wieder einsteigen."

Brüller in Breitwand!

Die Heimfahrt läuft gut. Bis auf das im S-Bahnabteil diesmal nur noch eine Lampe geht. :-(  Mit einer mobilen Bar, netten After-Work-Cocktails und Gogo Girls wäre es eine nett schummrige Bar. Ohne ist es gar nicht nett.