Donnerstag, 9. Mai 2013

Die 200 Euro Melone aus Tokio

So.... nachdem ich noch ein paar Highlights von meinem letzten Besuch in Tokio versprochen hatte, muss ich davon denn auch noch berichten. Und am besten, bevor ich schon wieder Abreise, um noch mehr von Tokio und Japan zu erfahren.

In meinem letzten Post habe ich ein paar Dinge versprochen und darauf komme ich natürlich gerne zurück.

Frage eins: Warum glaube ich, daß Douglas Adams in Japan war bevor er sein Buch "Per Anhalter durch die Galaxis" (PAddG) geschrieben hat?

Antwort: Weil der Japaner immer (s)ein Handtuch dabei hat.

Diesen bemerkenswerten Satz wird jeder Leser von PAddG kennen: "Habe immer (d)ein Handtuch dabei!". Dies gilt nicht nur, wenn man als Anhalter durch die Galaxis reist sondern auch, wenn man Japan besucht. Es ist ungewöhnlich, wenn man an einen europäischen Klositz ohne Heizung und Afterritzen Waschanlage gerät. Aber es ist nicht ungewöhnlich im Waschraum keinen Handtuchspender oder keinen Airblade Handtrockner vorzufinden. Schwupps holt der Kenner sein Handtuch aus der Tasche, während unbedarfte Typen wie nach ausgiebiger Wäsche der Hände und des Gesichts dann tropfnass im Raum stehen und sich fragen, wie das wohl passieren konnte.

Aber das passiert mir nur einmal - danach hatte ich immer ein Handtuch dabei und wurde respektvoll auf dem Herrenklo von den Japanern als "Wissender" erkannt und betrachtet.

Das einzige Klo, daß ich bisher in Japan ohne Sitzheizung und
automatisierter Intimwaschanlage gesehen habe!

Frage zwei: Kann man in Japan schlecht essen? Gutes Sushi, schlechtes Sushi?

Antwort: Im Prinzip nein. Manchmal ist Essen leider nicht ganz so gut wie erwartet. Aber nie wirklich schlecht. Ausser vielleicht man erwischt Natto.....

Natto ist eine fermentierte Sojabohnenmasse. Schleimig, nicht gut riechend und wohl nur was für den japanischen Gaumen. Nein, das erzähle ich nicht nach dem Lesen der Wikipedia, sondern aus eigener Erfahrung; das erste Mal seit langem, daß ich mich massiv zwingen musste, etwas aufzuessen.

"Genossen" habe ich die japanische Spezialität relativ unerwartet beim Mittagsmenü in einem Running Sushi Lokal. Die Kollegen haben mich zum Mittagessen dorthin geführt. Es ist günstig und es ist ok - Sushi auf europäischem Niveau würde ich sagen. Und mittendrin kam Natto. Woraufhin ich mir gleich den Teller gegriffen habe und 2 Sushi mit Nattofüllung bei mir landeten. Eine genauere Beschreibung von Geschmack, Konsistenz und Geruch gebe ich hier nicht wieder, weil das zu massiver Zensur dieses Beitrags führen könnte.

Weitere Infos gibt es auf Wikipedia: Natto

Das was da unten rechts rausquillt ist Natto. Nach dem für Europäer zweifelhaften Genuss,
hätte ich meine rechte Niere für eine Flasche Underberg eingetauscht

Gebackene Ei-Tofu Masse, gefüllt mit Sushi Reis

Sardinen Nigiri
Fetter Thunfisch. Lecker!
Mittagsmenü in Gänze!

Und hier fährt das Sushi am Tisch vorbei. Im Gegensatz zu Deutschland sitzt man
nicht mit dem Gesicht zum Laufband.

Sonderbestellungen gibt man per Touchscreen und Menükarte
auf. Unter dem Screen fährt eine "Modelleisenbahn" im Shinkansen
Look und bringt das Sonderessen auf diese Wege zum Besteller.
Dummerweise ist mir kein vernünftiges Foto davon gelungen. :-(

Heisswasserzapfanlage!
Eine weitere Neuigkeiten für mich waren, die an jedem Tisch verfügbaren, Heisswasserzapfanlagen. Das funktioniert im Prinzip wie ein Refillautomat in einem Fastfoodrestaurant. Man schiebt seinen Becher gegen eine Plastikzunge und von oben rieselt das gewünschte Getränk. Im Sushi Restaurant, baut man sich so seinen Mittagstee. Es steht ein Streuer auf dem Tisch, der mit Instant-Grüntee gefüllt ist. Dass schüttet man nach Gusto in seinen Becher und zapft sich dann Heisswasser dazu ab. Wird einem Tee-Fan ein kaltes Schaudern auf den Rücken rufen, aber man kann es trinken. Sofern man ordentlich mit Instant-Tee-Streuer umgehen kann ;-)




So sollte Sushi aussehen!!!

Frage drei: Wie stellt sich ein Japaner Reibekuchen vor?

Antwort: Gross! Richtig gross... Eine Portion von 3 Stück möchte ich in Japan nicht essen. Ein Berner Rösti ist dagegen ein Bierdeckel!

Das ist er - der japanische Traum vom Reibekuchen!
Trocken - ohne Apfelmus oder so.
Auf dem Bild kann man es sehen. Das Teil ist gross; zur Orientierung sieht man im Hintergrund noch etwas von "normal" grossen Tellern. Ein Reibeküchlein kostet soviel oder mehr als ein normales Hauptgericht. Gesehen habe ich das Teil in einem "Brauhaus"(-Verschnitt) oder was die Japaner dafür halten. Weitere Kostproben in Bildern hier:

Das Getränkemenü mit Bier, Weisswein, Rotwein und "Others"
Der Humpen wird für 600 Yen das Eigentum des Biertrinkers!

Was es noch so leckeres, bierhaussmässiges Essen gibt,
zeigt die übliche Auslage mit Plastiktellern und Plastikessen drauf.
Unter anderem Flammkuchen, Roulade und Hackbraten.

Ohne Wurst geht es in Brauhaus natürlich nicht.
Aber Essen wollte ich dort nicht... brrrrr!
1500 Yen für 4 Nürnberger mit etwas Kraut ist auch in Japan teuer!

Frage vier: Was kostet eine Melone in Japan?

Antwort: Mal locker 200 Euro. In Worten zweihundert!!!! Kein Scherz! Glaubt Ihr nicht? Bitter hier der Beweis in Bildform:

Die sagenhafte 200 Euro Melone!
Wenn das Zeug nicht verderblich wäre, könnte man das als Investment in Japan betrachten. 26.500 Yen kostet das Früchtchen; was bei dem aktuellen Wechselkurs so rund 200 Euro sind oder auch ein wenig mehr. Wenn ich an den durchschnittlichen deutschen Supermarkt denke, wo man die Teile manchmal für 2 Euro abgibt... da muss der Japaner auf Deutschlandreise doch mit Tränen in den Augen im Supermarkt zusammenbrechen und seinen Koffer auf der Heimreise mit Melonen nur so vollstopfen. Ob es wohl einen Japaner gibt, der ein ähnliches Blog über seine Europareise schreibt und über soooooo billiges Obst berichtet?


Und nein... nicht nur die Melonen sind dort so teuer, auch alles andere Obst hat seinen Preis.

Die nett verpackten Orangen sind für rund 6 Euro
pro Stück fast schon ein Schnäppchen!

Das bunte "Obstkörble" ist verdächtig deutsche Touristen
mit Herzinfarkt zu versorgen.  Auch dieser Preis ist im 3-stelligen Euro
Bereich. Hoffentlich kriegt das der deutsche Einzelhandel nicht mit.

So... das war jetzt das Finale von 2 Wochen Tokio im April. Ich hoffe, es ist mir gelungen einen Einblick in das japanische Leben der Megastadt Tokio zu geben und Euch damit zu unterhalten.

Wenn ich auch das nächste Mal wieder berichten soll, was mir so begegnet und passiert, wenn ich nach Japan reisen darf, dann gebt mir doch einfach mal ein Feedback.

Bis dahin bleibt mir gewogen, liebe Leser! Ich verspreche auch weiter über Kurioses aus Deutschland zu berichten, wenn es mir begegnet!

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