Sonntag, 8. Dezember 2013

Als das SEPA Monster kam, kehrte der V-Scheck zurück....

Na? Quillt bei bei allen europäischen Blog Lesern auch der Briefkasten über?

Irgendwie alles und jeder, der irgendwie zahlungsverkehr-banktechnisch mit mir zu tun hat, schreibt mir grade mindestens einen Brief.

"Sehr geehrter.... Kunde... Herr.... Neutrum....blablablbaba... rahbarabrabrarbrab......
werden wir ab Februar 2014 mittel SEPA Lastschrift von Ihrem Konto einziehen....
auf SEPA umstellen....Gläubiger ID YXZ 0815....
usw. und so fort...."

Yep. Von Gott und der Welt, Hinz und Kunz, Ernie und Bert.... und noch tausend Stück. Kein Tag im Moment an dem nicht mindestens ein so ein Brief im Postkasten auf mich wartet.
Und damit die Briefe nicht so einsam sind - kriegt meine Frau auch gleich noch welche dazu.

Verschwörungstheoretiker könnten auf die Idee kommen, dass die europäischen Briefpostunternehmen die Umstellung auf SEPA eingefädelt haben. Das erhöhte Portoaufkommen muss die Jungs ja irre reich machen.

Das passiert ja nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen anderen EU Ländern gleichzeitig.

Vermutlich ist das Briefporto für die Aktion noch der kleinste Kostenfaktor. Kann sich noch jemand dran erinnern, was zum Jahreswechsel 2000 auf die IT Unternehmen und IT Abteilungen zukam?
Dieser Wahnsinn muss sich doch aktuell bei allen Softwareprodukten wiederholen, die irgendwie, irgendwo, irgendwann was mit Kontonummern und Bankleitzahlen zu tun haben.
Was das mal kostet? Anpassen, Testen, Ausrollen... Oder gar Software neu anschaffen.

Mich würde wirklich brennend interessieren, wie viel Geld der Spass die Unternehmen in Deutschland, Europa oder gar weltweit kostet... *grübel*

Nächste Verschwörungstheorie? Das kommt von der Troika oder not-leidenden Staaten, um auf diesem Wege Teile der Wirtschaft anzukurbeln. Wobei.... Soll nicht mit SEPA alles schneller werden? Also das Geld innerhalb Europas binnen Tagesfrist in ein beliebiges Land überwiesen werden?
Dann wären die Staaten unter Umständen ja ein paar Tage eher pleite? Oder? Hmmm.....

Bisher benutze ich für internationalen Geldverkehr meine Kreditkarten - dafür zahle ich ja auch Gebühren. Das geht gut und ist SEPA frei. Falls das irgendwie geht, werde ich das auch in Zukunft tun.

Statt einer Bankleitzahl merken wir uns jetzt alle eine kryptische BIC.... Damit kann man eine Bank eindeutig identifizieren. Das ginge zwar auch mit einer BLZ, wäre aber zu einfach für die Brüsseler Eurokraten.

Merken wir uns also zukünftig dazu dann die passende IBAN mit Ihren 22 Stellen.... Ländercode... Prüfziffer...alte BLZ (wozu dann die BIC???) ... und 10-stellige Kontonummer mit Nullen aufgefüllt.... führende Nullen wohlgemerkt. (ein fettes Grinsen huscht über das Gesicht des Autors... führende Nullen... Brüssel... den Rest müsst Ihr schon selber machen!)

Ok. Die Prüfziffer bringt jetzt eine Mördersicherheit rein, dass ich mich bei der Nummer nicht vertippen kann. Bei 22 Stellen braucht man das auch. Dumm ist nur, dass das menschliche Gehirn für solche Zahlenmonster nicht gemacht ist.

Die PINs für Kreditkarten, Scheckkarten und eine Menge anderer PIN-Nummern sind nicht umsonst 4-stellig. Das ist nämlich so die längste Zahlenkette, die sich der moderne Mensch seit Abschaffung der Drehscheibenwahltelefone noch merken kann. Früher ging das besser - da gab es im Telefon keine Kurzwahltasten oder Nummernspeicher. Da merkte man sich die Nummern von Verwandschaft und Freunden noch im Kopf. Zumindest wenn man in der gleichen Stadt wohnte. Kamen Vorwahlen dazu wurde es schon kritisch und Griff zum Notizbüchlein war Pflicht. Also so eine Art Telefon-Nummern Sodoku!

Wenn man jetzt die PIN-Nummer um eine Stelle verlängern würde, dann dürfte sich - sagt die Wissenschaft - die Menge der Menschen, die sich die Zahl im Kopf merken kann, um die Hälfte verringern. So... das war jetzt bei 4 auf 5 Stellen... Rechne doch mal bitte wer aus, was passiert, wenn man jetzt 22 Stellen plus BIC im Kopf haben soll. Gut... Alte BLZ kommt vor... alte Kontonummer auch... Trotzdem ist es komisch.... Und was machen all die Rentner, die mit dickem Edding Ihre PIN auf die EC Karte gekritzelt hatten, damit sie nicht mit leeren Händen vom Geldautomat nach Hause zurückkehren mussten... So eine 22er Nummer kriegst du mit Edding 500 auf keine EC Karte oder so drauf!!! Und schmaleren Edding können die Leute unter Umständen nicht mehr Lesen, kleine Schriftgrössen halt.

Wer nicht mit Uri Geller oder so einem Mysterien-Magier von dubiosen Casting-Shows im Privatfernsehen verwandt ist und da ein paar seltsamste Gene abbekommen hat, könnte da zukünftig ganz alt aussehen!

Und damit der Gag der Woche perfekt wird:
Während das SEPA Monster also allmählich mit grossen Schritten seinen 22-stelligen Riesenschatten auf uns wirft, ein Flashback der seltsamen Art: Ich soll mit einem Verrechnungsscheck bezahlen!

Für die jüngeren Leser, die vielleicht Schecks gar nicht mehr kennen... Das waren so bunte Zettel von der Bank mit aufgedruckter Kontonummer und Bankleitzahl (da waren die zwei wieder). Diese bunten Zettel musste man mit reichlich Vorlaufzeit bei der Bank bestellen (unter Umständen auch noch gegen Gebühren, die so hoch waren, dass heute noch gültige Roaming-Gebühren dagegen Peanuts sind) und konnte Sie dann wie Bargeld verwenden. Man schrieb einen Betrag in deutschen Mark drauf (ja, solange ist das schon her)  und gab das statt Bargeld an der Kasse eines Geschäftes ab. Warum? Es gab da noch nicht so wirklich viele Geldautomaten. Und auch die paar existierenden Geldscheinwerfer kosteten horrende Gebühren. Schecks waren ein gängiges Zahlungsmittel unserer Eltern und Grosseltern!

Die Variante für Sicherheitsfreaks hiess "Verrechnungscheck" - der liess sich tatsächlich nur vom designierten Empfänger einlösen und auf ein Konto einzahlen. Also nicht ganz so bargeldmässig, dafür konnte der auch mal verloren gehen, ohne dass sehr grosses Unheil entstand. Man konnte immer nachvollziehen, wo die Kohle hingeflossen war.

Ich selber weiss gar nicht mehr, wann ich den letzten Scheck in freier Wildbahn gesehen habe. geschweige denn, wann ich zuletzt einen benutzt hatte. Da hat die D-Mark noch gelebt... Jede Wette!

Und letzte Woche plötzlich möchte ich ein paar Eintrittskarten für eine Veranstaltung bestellen und da steht: Nur gegen Voreinsendung eines Verrechnungsschecks. Uff! Und nun? Kann man das überhaupt bei der Bank noch bekommen? Ich weiss es nicht. Aber auf diese Eintrittskarten verzichte jetzt gerne. Die sollen gefälligst SEPA nehmen, wenn Sie mein Geld wollen. Dann kann ichmict BIC und IBAN nämlich auch mal üben.

In diesem Sinne... freuen wir uns auf SEPA in 2014! Bis dahin, bleibt mir gewogen liebe Leser!


Kommentare:

  1. Ich hab schon ein paar Mal Rückerstattungen von Versicherungen etc. per Scheck bekommen.
    Und ich glaube in meiner Schreibtischschublade hab ich noch ein paar Schecks von vor 8-10 Jahren, als man bei Möbellieferrungen noch nicht mit EC-Karte zahlen konnte und das nicht mit Bargeld machen wollte.

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  2. @Carisa.... ob die noch gültig sind?

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